Schlossfalknerei zu Püchau
Schlossfalknerei zu Püchau

Wir sehen uns wieder:

 

Ostermontag 2018

15 Uhr

Wildpark Leipzig

 

Die Geschichte der Falknerei

Die Falknerei ist nicht nur eine stolze Form der Jagd, sondern kann auch auf eine stolze Geschichte zurückschauen. Genauer gesagt auf eine ca. 4000 Jahre lange Vergangenheit!

Dabei gehört die Jagd selbst seit Urzeiten zum Menschsein dazu.

So richtig verorten lassen sich die Anfänge nur schwer. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Nomadenvölker Zentralasiens die ersten waren, welche die Beizjagd ausübten. Als ältester Nachweis dieser Jagdpraxis gilt ein assyrisches Rollsiegel aus dem 13. Jh. v.Chr.

Man kann es sich vielleicht so vorstellen: Die Menschen, die damals in diesen Regionen lebten, bestritten ihren Lebensunterhalt zu einem großen Teil durch die Jagd. Dadurch waren sie auch gute Beobachter der Natur und bemerkten sicher eines Tages bei ihren Streifzügen, dass sich Greifvögel, wie ein Falke bspw., ihrer Pirsch anschlossen. Denn bei den noch „stümperhaften“ Jagdmethoden mit Speeren oder Pfeil und Bogen kam es nicht selten vor, dass das Wild entkam. Über diese aufgescheuchte Beute wird sich der Falke sicher gefreut haben! Im Staunen über die ausgefeilte Jagdtechnik des Vogels und seiner Schnelligkeit haben sich die damaligen Jäger diese Fähigkeiten zu Nutze machen wollen. So begannen sie, diese zu fangen und für die Jagd abzurichten bzw. abzutragen.

Die Beizjagd verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten fast über den ganzen asiatischen Kontinent. In Europa kam sie erst mit der Völkerwanderung im 4. Jh. n. Chr. an. Den Griechen und Römern war sie daher unbekannt. Trotz des späten Aufkommens in Europa wurde sie aber auch hier und bis Spanien und Nordafrika bekannt und zunehmend beliebter. Während sie anfangs noch von jedermann zur Nahrungsmittelbeschaffung ausgeübt werden konnte, entwickelte sie sich immer mehr zum Standessymbol von Adel und Klerus. So wurde sie bereits Mitte des ersten Jahrtausends durch die germanischen Volksrechte institutionell geregelt. Diese besondere kulturelle Stellung der Falknerei bezeugen etliche Grabbeigaben des frühen Mittelalters.

Einen richtigen Aufschwung erlebte die Falknerei im Zusammenhang mit den Kreuzzügen. Hervorzuheben ist hier Stauferkaiser Friedrich II. (1220-1250). Beim 3. Kreuzzug kam er mit der ausgefeilteren Beizjagdtechnik des Orients in Berührung und brachte dadurch u.a. die Falkenhaube nach Europa. Außerdem studierte er regelrecht das Verhalten der Beizvögel und dokumentierte das Abtragen in seinem Werk „Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“ um 1244/45. Bereits im Mittelalter war die Beizjagd keineswegs ein Privileg der Männer. Auch adlige Frauen beschäftigten sich mit dieser anmutigen Jagd.

Mit dem Aufkommen der Schusswaffen verschwand die Falknerei in Europa fast gänzlich. Nur in wenigen Ländern, wie Frankreich und England, wurde sie weiterverfolgt. Die Französische Revolution beendete mit ihren gewaltigen sozialen und kulturellen Veränderungen nicht zuletzt das prunkvolle Jagdwesen des Feudalismus.

Infolgedessen wurden in England bereits 1840* und in Deutschland 1923 Vereine zum Erhalt dieses Brauchtums und der Beizjagd als kulturhistorischem Gut gegründet. An der Gründung des Deutschen Falkenordens (DFO) nahmen 1923 in Berlin neben Dr. Dr. Friedrich Jungklaus, Renz Waller und Dr. Fritz Engelmann auch der Sachse und leidenschaftliche Verehrer des Wanderfalken Kurt Kleinstäuber teil.  Der DFO ist heute der zweitgrößte und älteste Falknerverband der Welt und widmet sich nach wie vor dem Greifvogelschutz, der Greifvogelkunde und der weidgerechten Beizjagd. Auch die Vermittlung des kulturellen Erbes der Falknerei hat er sich zum Ziel gesetzt.

Seit 1968 wird die Falknerei durch die International Association for Falconry (IAF) auch international vertreten.

2010 wurde sie als erstes immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO gelistet und 2014 auch in der nationalen Liste der Bundesrepublik aufgenommen.

Seit dem 01.12.2016 ist auch die Falknerei in Deutschland Teil dieses immateriellen Weltkulturerbes des UNESCO.

 

 

 

 

 

* Der Royal Loo Hawking Club (RLHC) bestand nur eine kurze Zeit von

15 Jahren.

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© Leonhard Kindermann